4. Dialog 28.Oktober 2019

 

 

4. Bürgerdialog 28.10.2019 im Kleinkunstwerk

Für den vierten Bürgerdialog haben wir ein etwas anderes Format gewählt, dass statt Ergebnissen und Maßnahmen den eigentlichen Dialog und die Wichtigkeit persönlicher Kontakte betont. Unter dem Titel „Hallo Nachbar! Wer bist Du?“ haben wir zu einem Gespräch über die eigene Geschichte und die eigenen Werte eingeladen. Die Idee dahinter ist: Ob Westdeutscher oder Ostdeutscher, Neu- oder Altbelziger, Geflüchteter oder Einheimischer, politisch oder unpolitisch, rechts oder links, alt oder jung, hinter all diesen Kategorien – und leider oft auch Vorurteilen – stehen Menschen wie Du und ich. Wenn wir die Geschichte des anderen hören, können wir ihn oft besser verstehen. Nach den Erfahrungen der ersten Dialoge bringt die erste persönliche Vorstellungsrunde an den Tischen oft verbindende Momente hervor und wird meistens als zu kurz empfunden. Deswegen wollen wir neben den praktischen Ideen und Maßnahmen ein Dialogformat entwickeln, das dem vertieften Kennenlernen zwischen verschiedenen Gruppen dienen kann.

 

Bevor wir in die Gesprächsrunde an den Tischen gingen, haben wir diesmal mit einer Aufstellung („Alle die…“) begonnen. Alle Menschen, die eine bestimmten Frage bejahen konnten, gingen dazu in die Mitte, also z.B. alle die eine gute Arbeit haben oder alle, die eine glückliche Kindheit hatten. So konnten Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppe spielerisch sichtbar werden. Anschließend wurde mit einer persönlichen Biographiearbeit begonnen. In einer gezeichneten Lebenslinie konnten sich die Teilnehmenden, zunächst alleine und dann zu zweit, über ihre eigenen wertebildenden Erfahrungen klar werden. In einer abschließenden Runde konnten die eigenen Erkenntnisse im Plenum mitgeteilt werden.

 

Die etwa 2o Teilnehmer haben den Abend ausnahmslos als überwiegend gut empfunden. Dabei wurde der Fokus stark auf die unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West gelegt. Aber durch die akzeptierende Art des Gesprächs gab es keine gegenseitigen Abwertungen. Im Gegenteil konnten auch Gemeinsamkeiten in den Werten und Erfahrungen gefunden werden, trotz unterschiedlicher Systeme. Eine Verbindung zu bisher unbekannten Nachbarn wurde so spürbar.

 

Zitate: Wie ist es mir persönlich ergangen?

„Ich bin erstaunt über Parallelen und Unterschiede der Lebensgeschichten. Da waren mehr Parallelen mit dem Leben eines Menschen aus den alten Bundesländern als mit dem aus dem Osten. Es wurde über Traumata gesprochen, mit denen sehr unterschiedlich umgegangen wurde.“

„Energiesteigerung. Neue Vertrautheit, Verbindung, mit mir bis dahin unbekannten Nachbarn.“

„Thema gut! „Alle die …“ gut! Dialog gut + 5er-Gruppe gut solange es beim persönlichen Leben blieb, Politik hier nicht mein Anliegen.“

Was haben Sie Interessantes erlebt oder gelernt?

„Ich habe unterschiedliche Menschen, v.a. Ost-West-Biografien kennengelernt. Menschen in verschiedenen Lebenssituationen und ihre Herausforderungen zu spüren.“

„Vorurteile über Alter, äußeres Erscheinungsbild abgebaut durch Mitteilen persönlicher Erlebnisse.“

„Die Schilderung eines sehr gebildeten syrischen Flüchtlings hat mich enorm beeindruckt, und ich bewundere seine geistige und praktische Flexibilität.“

Waren die Moderatoren unterstützend für Sie, oder nicht?

„Hat vermittelnd und empatisch moderiert, locker Zeit bewacht und Raum gegeben.“

„Haben immer mal wieder nachgefragt. Versucht die redenden Menschen am Thema zu halten. Uhr im Blick gehabt.“

Fazit

Mit einer Ausnahme hatten alle Teilnehmenden der 4 Dialoge den Eindruck, dass sie ihre Gedanken einbringen konnten und gehört wurden. Damit ist das Kernziele der Bürgerdialoge voll erreicht – sich persönlich einbringen und Gehör bekommen. Auf der anderen Seite wurden die entwickelten Ideen und Initiativen kaum umgesetzt.

Daraus folgt eine doppelte Erkenntnis:

Es besteht ein großes Bedürfnis nach einer achtsamen Dialogkultur. Diesem Bedürfnis können wir mit kulturellen, übergreifenden Themen entsprechen wie es der Bürgerdialog zu den eigenen Werten gezeigt hat. Das werden wir fortsetzen.

Auch der Bedarf nach einer verstärkten Beteiligung der Bürger an der Stadtgesellschaft besteht. Hier bedarf es aber noch einer beidseitigen Entwicklung. Die Bürger müssen mehr Verantwortung und Eigeninitiative übernehmen und die Politik und Verwaltung müssen sich weiter öffnen und Kooperationsformate anbieten. Diese Probleme können in den Bürgerdialogen nicht alleine gelöst werden. Wir werden aber die offenen Enden und Fragen weiter benennen. Für eine breitere und repräsentative Beteiligung könnte das aktuell bundesweit erprobte Modell eines ausgelosten Bürgerrates (https://www.buergerrat.de/) ein wichtiger nächster Schritt auch für Bad Belzig sein.

Die Herausforderung für 2020 wird es sein, auch nach der Förderung am Jahresende eine eigenständige Struktur sowohl für Dialoge als auch für Beteiligung zu entwickeln.